Hier biste jetze: Kiek ma » Weiter so! Festigung für Dich!
Warum ich nun mal Ossi bin?
Ich hatte einfach Glück.
Die Zeit war meine Lehrerin.
Und fragst du mich nach Lebenssinn,
dann schau ich gern zurück.
Wir führten niemals einen Krieg.
Dass uns die Erde hält,
war Volkes Sinn und Staatsräson,
dass keine Mutter ihren Sohn
beweint am Kriegerfeld.
Wir hielten Solidarität.
Im Land und weltenweit,
wo je ein Volk in Freiheit kam.
In Chile oder Vietnam.
Drauf bin ich stolz bis heut.
Die Frauen hatten gleichen Lohn
und Kitas reichlich Töpfe
für Popos mit Gemeinschaftssinn.
Der Volkswirtschaft sehr zum Gewinn
durch kluge Weiberköpfe.
Es blieb die Doppellast der Fraun.
Manch Kerle lernten spät.
Doch nie entschied bei uns der Mann,
ob Frau ein Konto haben kann
oder zur Arbeit geht.
Und Pisa hätte uns gelobt.
Bildung kein Privileg.
Man lernte, wie man denkt und schreibt
und seiner Heimat nahe bleibt
auf mühevollem Weg.
Die Kinokarte 2 Mark 05.
Und Jugendklubs statt Straße.
Erschwinglich Gas und Strom und Sprit.
Gesundheitsdienst ohne Profit.
Nur Kranke erster Klasse.
Gab Tränen auf dem Wohnungsamt.
Und grau war manche Stadt.
Doch keiner unter Brücken schlief,
niemand zur Tafel betteln lief,
weil jeder Arbeit hatt‘.
Bescheiden ging es zu, nicht arm.
Reich war kein Kontostand.
Du bliebst du selbst im Kollektiv,
und wenn dir was zu Schaden lief,
half irgendeine Hand.
Als sich der Westen rüberschob,
da kehrten krude Besen.
Wie klang es von der Siegerbank?
An eurem Zwergenuntergang
seid ihr selbst schuld gewesen.
Die Fehler schreiben wir uns auf.
Die frühen wie die späten.
Wächst brachen Feldern nochmal Korn,
dann lernt die junge Mannschaft vorn,
was falsch ist auszujäten.
Was unser Staat war, ist perdu.
Doch will er längst nicht sterben.
Denn was wir einmal hingestellt,
das fällt nicht einfach aus der Welt.
Da ist etwas zu erben.
Warum ich nun mal Ossi bin?
Ich hatte einfach Glück.
Die Zeit war meine Lehrerin.
Und fragst du mich nach Lebenssinn,
dann kämpfe ich dort, wo ich bin.
Dann kämpfe ich dort, wo ich bin
und schaue gern zurück.
Text und Musik: Hartmut König
(Juli 2024)